Feldversuch eHighway Schleswig-Holstein

FAQ

Warum werden die Güter nicht auf der Schiene transportiert?

Die Schieneninfrastruktur ist schon heute an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Trassenkonflikte zwischen Güter-, Fern- und Nahverkehr besonders in den Knoten sind die Regel. Trotz aller Anstrengungen, den Güterverkehr stärker auf Schiene und Wasserstraße zu verlagern, wird das höchste landgebundene Transportvolumen deshalb sowohl heute als auch in absehbarer Zukunft mit einem Anteil von über 70 Prozent vom Straßengüterverkehr erbracht. Grund dafür ist vor allem, dass Lkw Waren schnell und flexibel liefern können – dies ist für Produktionsprozesse und für den Online-Handel von großer Bedeutung.

Wäre Wasserstoff für den Güterschwerlastverkehr nicht die bessere Lösung?

Durch den Einsatz Erneuerbarer Energien erzeugter Wasserstoff stellt ebenfalls eine Kohlendioxidarme Antriebenergie dar, die im Güterschwerlastverkehr zum Einsatz kommen kann. Ein Vorteil des Oberleitungsgebundenen Elektroantriebs gegenüber dem Einsatz von Wasserstoff ist allerdings der direkte Einsatz des erneuerbar erzeugten Stroms und damit der Wegfall von Umwandlungsverlusten. Für den Gütertransportsektor ist zukünftig von einem Mix verschiedener Antriebe auszugehen, auch Hybridlösungen werden voraussichtlich in großem Umfang zum Einsatz kommen. Die Wahl des Energieträgers bzw. Antriebssystems wird dabei jeweils vom spezifischen Einsatzprofil und dem Einsatzgebiet eines Lkw abhängen und den wirtschaftlichen und transportlogistischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen müssen. Der Oberleitungs-Lkw ist dabei eine mögliche Variante.

Muss das gesamte Autobahnnetz mit Oberleitungen ausgebaut werden?

Ein flächendeckender Ausbau des gesamten Autobahnnetzes mit Oberleitungen ist weder vorgesehen noch notwendig. Die eHighway-Technologie ist vor allem für vielfrequentierte Strecken mit einem hohen Anteil an Güterschwerlastverkehr geeignet. Aktuelle Studien halten ein Oberleitungs-Basisnetz von ca. 3.200 Autobahnkilometern für sinnvoll (vgl. ifeu 2020: Roadmap OH-Lkw: Einführungsszenarien 2020-2030). Die Entwicklung von Netzausbaustrategien bildet einen Forschungsschwerpunkt im Feldversuch.

Wie hoch sind die Kosten?

Der Feldversuch wird im Rahmen des Programms „Erneuerbar mobil“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Planung und Bau der Forschungsanlage wurden mit einem Volumen von rund 19 Millionen Euro gefördert.

Für Betrieb und Forschung des eHighway stehen rund 7 Millionen Euro Fördersumme zur Verfügung.

Wie lang ist die Laufzeit des Projekts und wie geht es danach weiter?

Der Feldversuch begann offiziell im Januar 2017 und wird voraussichtlich im Dezember 2022 abgeschlossen sein. Die Zukunft des Oberleitungssystems an der BAB 1 hängt von den Erkenntnissen der drei Feldversuche (durchgeführt in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen) und den anschließenden politischen Entscheidungen ab. Wenn die Feldversuche positiv verlaufen, könnte die eHighway-Strecke im Anschluss auch ausgebaut werden.

Warum wurde der Streckenabschnitt zwischen Lübeck und Reinfeld ausgewählt?

Durch das Verkehrsaufkommen von täglich etwa 60.000 Pkw und 8.000 Lkw ist der gewählte Autobahnabschnitt besonders geeignet, um das System unter realen Verkehrsbedingungen zu testen. Die rege Nutzung des Abschnitts durch die Spedition Bode war ein weiteres wichtiges Argument. Zudem wurde eine grundhafte Erneuerung des Abschnittes im Jahr 2012 abgeschlossen, so dass in absehbarer Zeit keine größeren Sanierungsarbeiten zu erwarten sind und die Betriebsphase nicht gestört wird.

Welche Antriebstechniken sind mit dem Oberleitungssystem kompatibel?

Im Projekt FESH werden Oberleitungs-LKW eingesetzt, die mit einem Hybridantrieb aus Elektro- und Dieselmotor ausgestattet sind. Die eingesetzten Testfahrzeuge können die elektrische Energie direkt für ihre Traktion nutzen und die in den Fahrzeugen integrierten Batteriespeicher während der Fahrt unter den Oberleitungen aufladen. Lange Stand- und Ladezeiten elektrischer Lastkraftwagen können durch die direkte Nutzung des Stroms aus der Oberleitung verhindert werden. Andere Hybridkonzepte wie beispielsweise mit Gas- und Wasserstoffantrieben sind ebenfalls mit dem Oberleitungssystem möglich.

Wie gut ist die Energiebilanz eines eHighways?

Das Oberleitungssystem ermöglicht eine direkte Nutzung der elektrischen Energie, Umwandlungsverluste werden also vermieden. Die elektrische Energie wird dabei nahezu vollständig in Bewegungsenergie umgesetzt. Zusätzlich kann aus Bremsvorgängen Strom zurückgewonnen werden, der bspw. anderen O-LKW zur Verfügung gestellt werden kann. Der genaue Wirkungsgrad des Systems soll in FESH2 ermittelt werden.

Wie schnell können O-LKW an der Oberleitung fahren?

An der Oberleitung könnten Geschwindigkeiten bis 100 km/h realisiert werden. Die O-LKW-Fahrer sind jedoch an die gleichen Regeln wie konventionelle Lkw gebunden, d. h. die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h.

Kann ein konventioneller Lkw umgerüstet werden?

Die Umrüstung von Lkw ist aufwendig, aber technisch möglich. Neben der Integration des Stromabnehmers ist die Umrüstungsmöglichkeit maßgeblich vom Antriebskonzept abhängig.

Wie viele O-LKW können sich gleichzeitig mit der Oberleitung verbinden?

Die Anzahl der O-LKW, die die Oberleitung gleichzeitig nutzen können, hängt von mehreren Faktoren ab, u. a. von der Leistung des Netzanschlusses, der Auslegung der Unterwerke sowie dem elektrischen Widerstand der Oberleitung.

Was unterscheidet das System eHighway vom Oberleitungssystem der Bahn?

Im Gegensatz zum Oberleitungssystem der Deutschen Bahn benötigt der eHighway zwei Fahrdrähte, um einen geschlossenen Stromkreis zu bilden. Die Bahn wird mit Wechselspannung von 15.000 Volt betrieben, während der eHighway im Bereich von 670 Volt Gleichspannung betrieben wird.

Was passiert mit dem Oberleitungssystem, wenn das Projekt beendet ist?

Die Zukunft des Oberleitungssystems an der BAB A1 hängt von den Erkenntnissen der drei Feldversuche (durchgeführt in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen) und den anschließenden politischen Entscheidungen ab. Wenn der Feldversuch positiv verläuft, könnte die e-Highway-Strecke im Anschluss auch ausgebaut werden.

Wird die Sicht von der Autobahn auf die Landschaft durch das Oberleitungssystem beeinträchtigt?

Durch die Masten wird die Sicht auf die Umgebung der Autobahn natürlich verändert. Die Akzeptanz in der Bevölkerung soll in einem Forschungsprojekt während der Betriebsphase evaluiert werden.

Wie wird bei Höhenhindernissen wie z.B. Straßen- oder Schilderbrücken mit der Oberleitung vorgegangen?

Grundsätzlich wird der Fahrdraht parallel zur Fahrbahnoberkante in einer Höhe von 5,10 m geführt. Muss ein Bauwerk unterquert werden, kann das gesamte Kettenwerk bis auf eine Höhe von 4,50 m abgesenkt werden.

Können die Oberleitungen reißen?

Leitungsrisse kommen bei den Eisenbahnen sehr selten vor, obwohl die Belastungen durch die Züge ungleich höher sind. In aller Regel werden Leitungsrisse durch äußere Einwirkungen, zum Beispiel durch umstürzende Bäume verursacht. Diese sind auf der Teststrecke nicht zu erwarten. Dennoch werden Maßnahmen getroffen, um im Falle eines Oberleitungsrisses schnell reagieren zu können. Um eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer sowie Rettungs- und Hilfseinsatze auszuschließen, wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Gibt es Risiken oder Gefährdungen durch Vereisung der Leitungen im Winter?

Da die klimatischen Bedingungen in Schleswig-Holstein verhältnismäßig mild sind, werden stärker vereiste Leitungen nicht erwartet. Gleichwohl ist eine elektrische Enteisung der Kettenwerke vorgesehen. Auf der schwedischen Teststrecke gab es trotz starkem Schneefall und niedrigen Temperaturen keine Probleme.

Erhöhen die Masten die Gefahr bei Unfällen?

Die Masten stellen eine Gefahr dar, sofern Fahrzeuge mit ihnen kollidieren könnten. Durch neu installierte Leitplanken der höchsten Schutzklasse soll die Möglichkeit eines solchen Szenarios jedoch auf ein Minimum reduziert werden.

Sind die entstehenden elektromagnetischen Felder gesundheitsgefährdend?

Nein, die zu erwartenden Emissionen der Strecke liegen weit unterhalb der zulässigen Grenz- und Richtwerte.  Sie fallen bspw. auch im Vergleich zu Straßenbahnen geringer aus.