Feldversuch eHighway Schleswig-Holstein

FAQ

Wie lang ist die Laufzeit des Projekts und wie geht es danach weiter?

FESH 1, das die Genehmigung und den Bau der elektrifizierten Strecke umfasst, hat eine Laufzeit von ca. 2,5 Jahren. Das drauffolgende Projekt FESH 2 dient dem Anlagenbetrieb. Hier wird in einem ersten Zeitraum von ca. drei Jahren eine technologische, wirtschaftliche und ökologische Bewertung der Systems unter realen Verkehrsbedingungen vorgenommen.

Warum wurde der Streckenabschnitt zwischen Lübeck und Reinfeld ausgewählt?

Durch das Verkehrsaufkommen von täglich etwa 60.000 Pkw und 8.000 Lkw ist der gewählte Autobahnabschnitt besonders geeignet, um das System unter realen Verkehrsbedingungen zu testen. Die rege Nutzung des Abschnitts durch die Spedition Bode war ein weiteres wichtiges Argument. Zudem wurde eine grundhafte Erneuerung des Abschnittes im Jahr 2012 abgeschlossen, so dass in absehbarer Zeit keine größeren Sanierungsarbeiten zu erwarten sind und die Betriebsphase nicht gestört wird.

Welche Antriebstechniken sind mit dem Oberleitungssystem kompatibel?

Im Projekt FESH werden aller Voraussicht nach O-LKW eingesetzt, die mit einem Hybridantrieb aus Elektro- und Dieselmotor ausgestattet sind. Andere Hybridkonzepte wie beispielsweise mit Gas- und Wasserstoffantrieben oder mit zusätzlichen Batteriespeichern sind mit dem Oberleitungssystem möglich.

Wie gut ist die Energiebilanz eines eHighways?

Das Oberleitungssystem ermöglicht eine direkte Nutzung der elektrischen Energie, Umwandlungsverluste werden also vermieden. Die elektrische Energie wird dabei nahezu vollständig in Bewegungsenergie umgesetzt. Zusätzlich kann aus Bremsvorgängen Strom zurückgewonnen werden, der bspw. anderen O-LKW zur Verfügung gestellt werden kann. Der genaue Wirkungsgrad des Systems soll in FESH2 ermittelt werden.

Wie schnell können O-LKW an der Oberleitung fahren?

An der Oberleitung könnten Geschwindigkeiten bis 100 km/h realisiert werden. Die O-LKW-Fahrer sind jedoch an die gleichen Regeln wie konventionelle Lkw gebunden, d. h. die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h.

Kann ein konventioneller Lkw umgerüstet werden?

Die Umrüstung von Lkw ist zwar technisch möglich jedoch sehr aufwendig.  Neben der Integration des Stromabnehmers ist die Umrüstungsmöglichkeit maßgeblich vom Antriebskonzept abhängig. Von einigen Prototypen abgesehen, wird eine Umrüstung daher vermutlich eher selten vorgenommen werden.

Wie viele O-LKW können sich gleichzeitig mit der Oberleitung verbinden?

Die Anzahl der O-LKW, die die Oberleitung gleichzeitig nutzen können, hängt von mehreren Faktoren ab, u.a. der Leistung des Netzanschlusses, der Auslegung der Unterwerke sowie dem elektrischen Widerstand der Oberleitung. Im Rahmen des Feldversuches wird die Anlage für mindestens vier O-LKW in einem Speiseabschnitt ausgelegt.

 

Was unterscheidet das System eHighway vom Oberleitungssystem der Bahn?

Im Gegensatz zum Oberleitungssystem der Deutschen Bahn benötigt der eHighway zwei Fahrdrähte, um einen geschlossenen Stromkreis zu bilden. Die Bahn wird mit Wechselspannung von 15.000 Volt betrieben, während der eHighway im Bereich von 670 Volt Gleichspannung betrieben wird.

Was passiert mit dem Oberleitungssystem, wenn das Projekt beendet ist?

Die Zukunft des Oberleitungssystems an der BAB A1 hängt von den Erkenntnissen der drei Feldversuche (durchgeführt in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen) und den anschließenden politischen Entscheidungen ab. Wenn der Feldversuch positiv verläuft, könnte die e-Highway-Strecke im Anschluss auch ausgebaut werden.

Wird die Sicht von der Autobahn auf die Landschaft durch das Oberleitungssystem beeinträchtigt?

Durch die Masten wird die Sicht auf die Umgebung der Autobahn natürlich verändert. Die Akzeptanz in der Bevölkerung soll in einem Forschungsprojekt während der Betriebsphase evaluiert werden.

Wie wird bei Höhenhindernissen wie z.B. Straßen- oder Schilderbrücken mit der Oberleitung vorgegangen?

Grundsätzlich wird der Fahrdraht parallel zur Fahrbahnoberkante in einer Höhe von 5,10 m geführt. Muss ein Bauwerk unterquert werden, kann das gesamte Kettenwerk bis auf eine Höhe von 4,50 m abgesenkt werden.

Können die Oberleitungen reißen?

Leitungsrisse kommen bei den Eisenbahnen sehr selten vor, obwohl die Belastungen durch die Züge ungleich höher sind. In aller Regel werden Leitungsrisse durch äußere Einwirkungen, zum Beispiel durch umstürzende Bäume verursacht. Diese sind auf der Teststrecke nicht zu erwarten. Dennoch werden Maßnahmen getroffen, um im Falle eines Oberleitungsrisses schnell reagieren zu können. Um eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer sowie Rettungs- und Hilfseinsatze auszuschließen, wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Gibt es Risiken oder Gefährdungen durch Vereisung der Leitungen im Winter?

Da die klimatischen Bedingungen in Schleswig-Holstein verhältnismäßig mild sind, werden stärker vereiste Leitungen nicht erwartet. Gleichwohl ist eine elektrische Enteisung der Kettenwerke vorgesehen. Auf der schwedischen Teststrecke gab es trotz starkem Schneefall und niedrigen Temperaturen keine Probleme.

Erhöhen die Masten die Gefahr bei Unfällen?

Die Masten stellen eine Gefahr dar, sofern Fahrzeuge mit ihnen kollidieren könnten. Durch neu installierte Leitplanken der höchsten Schutzklasse soll die Möglichkeit eines solchen Szenarios jedoch auf ein Minimum reduziert werden.

Sind die entstehenden elektromagnetischen Felder gesundheitsgefährdend?

Nein, die zu erwartenden Emissionen der Strecke liegen weit unterhalb der zulässigen Grenz- und Richtwerte.  Sie fallen bspw. auch im Vergleich zu Straßenbahnen geringer aus.